Dank Machata-Verzicht: Playboy-Pilot Friedrich schreibt als jüngster Weltmeister Bob-Geschichte

IMG_0825St. Moritz – Im noblen Skiort St. Moritz haben die beiden Playboy-Piloten Francesco Friedrich und Manuel Machata ein besonderes Kapitel in der Geschichte der Bob-Weltmeisterschaften aufgeschlagen. Der erst 22 Jahre alte Friedrich – seit seinem Weltcup-Premierensieg in Altenberg „Franz der Starke“ genannt – krönte sich mit dem WM-Titel im Zweierbob zum jüngsten Weltmeister im kleinen Schlitten. Und Machata, der Shootingstar von 2011? Der Ramsauer hat sich den Fairplay-Preis für 2013 verdient. Erst sein persönlicher Startverzicht im Zweierbob ebnete seinem Teamkollegen den Weg zum historischen Erfolg. „Ich kann ihm nur danken, das war eine große Geste von Manu“, sendete Friedrichs Top-Anschieber Jannis Bäcker einen Dankesgruß an die Adresse von „Machete“ Machata. Denn nur dank des Rückzuges des Viererbob-Weltmeisters von 2011 konnte Junioren-Weltmeister Friedrich den stärkeren Bäcker einsetzen. Und diese taktische Entscheidung war sprichwörtlich gold-wert. Drei Startbestzeiten in vier Läufen, das hat es für die Deutschen im ganzen Winter nicht gegeben. „Die sind schon verrückt. Bei dem Vorsprung hätten sie auch auf Sicherheit machen können, doch nein, sie gehen volles Risiko und greifen voll an, da kann man nur den Hut ziehen“, sagte Cheftrainer Christoph Langen zum Startrekord. Denn nur das Team Friedrich/Bäcker durchbrach in 4,98 Sekunden die Fünf-Sekunden-Schallmauer. „Wir hatten uns das für den letzten Durchgang vorgenommen. Nun haben wir auch noch den Starterpreis neben den WM-Titel, es ist wie im Traum“, sagte Friedrich, der plötzlich seine komplette Familie im Zielraum begrüßen durfte. Sie alle waren nach dem furiosen Auftakt in der Nacht zum Sonntag von Pirna nach St. Moritz gefahren, um ihren Youngster hautnah bei dessen größtem Coup lautstark zu unterstützen.
 
„Ich habe es immer gesagt, diese beiden können die besten Starter der Welt werden“, jubelte Trainer Gerd Leopold. Der Erfolgscoach, der schon Harald Czudaj 1994 in Lillehammer zum Viererbob-Olympiasieger formte, weiß genau, was er an dem neuen Shootingstar hat: „So ein Talent hatte ich noch nie in den Händen. Der Junge bringt alles mit, Athletik, Fahrgefühl und eine Klasse-Einstellung zum Sport. Mit seinen jungen Jahren übernimmt er vorbildlich die Verantwortung im Team, ob im Training, beim Transport oder im Wettkampf. Seine überlegten Worte haben im Team Gewicht.“ Trainerfuchs Leopold schaffte dank Friedrich auch ein Novum: Erstmals gewann ein Athlet von ihm ein WM-Titel. Dabei ist Leopold schon gut 25 Jahre im Bob-Geschäft. Mit einer innigen Umarmung und einem leisen Danke ins Ohr geflüstert, bedankte sich Friedrich bei seinem Heimtrainer. Nun steht nach dem Viererbob-Rennen am Wochenende in St. Moritz, wo er als Junioren-Weltmeister mit seiner jüngeren Crew starten muss, ein nächster Höhepunkt an, ehe Mitte Februar das Weltcup-Finale auf der Olympia-Bahn in Sotschi ansteht. „Dann endlich geht es mit Freundin Magdalena in die warme Sonne zum Entspannen“, verriet das Jahrhunderttalent, das für die historische Leistung spontan von Sponsor Buchbinder 10.000 Euro WM-Prämie bekam.  
 
Selbst der Schweizer Topfavorit Beat Hefti, der von Friedrich auf seiner Heimbahn mit 0,56 Sekunden geschlagen wurde, zollte dem Shootingstar der Kufenszene Respekt. „Er hat eine sehr solide Leistung gezeigt, das verlangt Respekt ab“, meinte der Eidgenosse.  Glücklich war auch Manager Axel Watter von „emotional engineering“. Der umtriebige Manager bewies erneut ein Gold-Händchen. Nach Shootingstar Machata, der 2011 in seiner ersten Saison auf Anhieb Weltcup, EM und WM im Viererbob gewann, zauberte er den nächsten Senkrechtstarter aus dem Hut. Und der nächste Youngster steht schon in der Warteschleife. Erst vor Saisonbeginn gründete Watter zusammen mit dem Bob- und Schlittenverband für Deutschland (BSD)  das erste offizielle Juniorteam in der 100-jährigen BSD-Geschichte. Entstanden ist die Idee beim 50 Geburtstag von Thomas Schwab, Christoph Langen und Norbert Loch, die sich keine Geschenke, sondern Spenden für die Nachwuchsförderung gewünscht haben. “Die Idee eines Juniorteams war schnell geboren, schließlich gibt es ein erfolgreiches Beispiel”, spielt Watter, der Inhaber von emotional engineering,  auf ein fünf Jahre altes Erfolgsmodell an. Nach seinem Karriereende schlug seinerzeit der achtfache Weltmeister und zweifache Olympiasieger Christoph Langen vor, ein privates Juniorteam ins Leben zu rufen, damit Langen seine große Erfahrung weitergeben konnte. Einer der beiden Junioren war damals Machata. Nun wird der ehemalige Rodel-Juniorenweltmeister und Weltcupsieger  Nico Walther  gefördert.  Er startet im  weißen von Buchbinder Rent-a-Car,  Playboy und emotional engineering gesponserten Schlitten.
 
emotional engineering 
by axel watter

Die Bilder vom Wochenende findet ihr hier.